ältere Presse

30.07.2007 – Hamburger Abendblatt
Spielerisch Deutsch lernen

Spielerisch Deutsch lernen: Sprachcamp auf Sylt
Kinder werden während der Sommerferien für die vierte Klasse fit gemacht. Das Camp wird von der Bildungsbehörde finanziell unterstützt.

Seinen Koffer hat Joël Adjayi schon vor Tagen gepackt. Der 12-jährige Junge aus Osdorf fährt heute zum ersten Mal in seinem Leben in den Urlaub. Die nächsten drei Wochen wird er in einem Sprachcamp des Jugenderholungswerks (JEW) auf Sylt verbringen. Gemeinsam mit 300 Hamburger Schülern, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, soll er während der Sommerferien für die vierte Klasse fit gemacht werden. Die Kinder werden auf zehn unterschiedliche Camps in Wohldorf, Neugraben, Böhmsholz (Niedersachsen) sowie am Drüsensee (Schleswig-Holstein) und eben auf Sylt verteilt.

Neben der Förderung der deutschen Sprache stehen Theaterspiele und Freizeitaktivitäten auf dem Programm. „Unsere Sprachförderung soll sich von dem normalen Schulunterricht unterscheiden“, sagt Lori Hacaturyan-Riehl. Die Diplom-Sozialpädagogin begleitet das Camp auf Sylt. „Die Kinder sollen keinen Frontalunterricht erleben, sondern spielerisch lernen“, sagt sie. Deshalb steht das Sylter Camp unter dem Motto „Piraten“.

Joël Adjayi hat sich dafür extra ein T-Shirt mit einem Totenkopf drauf gekauft. Der Junge ist in Togo (Afrika) aufgewachsen und kam vor etwa einem Jahr mit seiner Mutter nach Hamburg. Nun besucht er die Grundschule Thadenstraße in Altona und ist ein guter Schüler. Nur die deutsche Sprache bereitet ihm Probleme. „Häufig verwechselt Joël ähnlich klingende Buchstaben oder vergisst die Endlaute“, sagt seine Mutter Akouvi Adjayi (37). Damit er in einem Jahr trotzdem auf das Gymnasium gehen kann, versucht er nun alles, um sein Deutsch zu verbessern. Auf den Sylt-Urlaub freut sich Joël schon sehr: „Ich liebe den Strand. In Togo haben wir nur 15 Minuten vom Meer entfernt gewohnt.“ Viele andere Kinder hingegen, die mit in das Sprachcamp fahren, waren noch nie am Meer. „Unsere Zielgruppe sind vor allem die Schüler, deren Eltern sich keinen Urlaub leisten können. Auch sie sollen neue Erlebniswelten kennenlernen können“, sagt Lori Hacaturyan-Riehl. So wie Denise Wunsch. Sie geht nach den Sommerferien in die vierte Klasse der Grundschule Archenholzstraße. Die Neunjährige hat Schwierigkeiten, Texte zu lesen. „Denise kann sich den Inhalt der Geschichten nicht so gut merken, deshalb kommt sie im Unterricht manchmal nicht mit“, sagt ihre Mutter Susanne Wunsch. Sie ist froh über das Angebot des JEW. „Meine Kinder sind nun mal nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden.“

Das Konzept des Sprachcamps sieht eine sehr individuelle Betreuung der Schüler vor. Um die Gruppen mit 30 Kindern kümmern sich jeweils sieben Erwachsene. Zwei Theaterstudenten machen mit ihren Schützlingen Übungen, die auf der Sprachförderung aufbauen. Der Sozialpädagoge Jené Halabi (25) ist für die Freizeitaktivitäten auf Sylt zuständig, damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. „Wir wollen den Kindern eine unbeschwerte Zeit bieten“, verspricht er.

Das Camp wird von der Behörde für Bildung und Sport finanziell gefördert. Deshalb müssen die Eltern nur 57,50 Euro für den dreiwöchigen Aufenthalt der Kinder bezahlen.

 

erschienen am 30.07.2007

Text: Sarah Mania